Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Sozialdemokratische Partei Deutschlands Landesverband Rheinland-Pfalz • Kreisverband Birkenfeld

Informationsveranstaltung „Nationalpark – Chancen und Perspektiven“ am 4. Juli 2017 in Idar-Oberstein

Positionspapier des SPD-Kreisverbandes Birkenfeld zum Nationalpark
Hunsrück-Hochwald

Der am 23. Mai 2015 eröffnete Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist ein großer Entwicklungsschritt für die Region und insbesondere für den Nationalpark Landkreis Birkenfeld. Nie zuvor hat es ein regional und sachlich so umfassendes Entwicklungsprojekt für diesen Teil des Hunsrücks gegeben. Als gemeinsames Vorhaben von Land, Kommunen und Bürgerinnen und Bürgern kann der Nationalpark die Strukturbedingungen in der Region verbessern, die wirtschaftliche Entwicklung an der Oberen Nahe und im Hunsrück beflügeln und ein naturtouristisches Ereignis bieten, das über Rheinland-Pfalz hinaus beispielhaft ist.

Rund zwei Jahre nach Eröffnung des Nationalparks ist es an der Zeit, eine politische Zwischenbilanz zu ziehen und weitere Perspektiven aufzuzeigen.

Aus Sicht der SPD ist der Nationalpark Hunsrück-Hochwald auf dem Weg zu einem Erfolgsmodell. Er hat die Bekanntheit der Region erhöht, gemeinsames Handeln auf kommunaler Ebene und zwischen den Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht und ein neues Gemeinschaftsgefühl entstehen lassen.

Die SPD würdigt ausdrücklich das hohe ehrenamtliche Engagement im Zusammenhang mit dem Nationalpark. Der Freundeskreis des Nationalparks, der Naturpark Saar-Hunsrück, aber auch viele weitere Bürgerinnen und Bürger- als Einzelpersonen oder in Vereinen und Gemeinschaften – haben mit viel Sachkenntnis und hohem persönlichem Einsatz das Vorhaben unterstützt und damit die fachliche Arbeit des Nationalparkamtes erst ermöglicht.

Der Nationalpark hat sichtbare Erfolge im Bereich des Naturschutzes erzielt. Die Erfassung seltener Tier- und Pflanzenarten, die Kartographierung der Region und der aktive Schutz seltener Lebewesen haben erhebliche Fortschritte gemacht und zeigen, welche bedeutsame naturräumliche Entwicklung im Hunsrück zu erwarten ist. Dabei haben sich ursprünglich skeptische Einschätzungen hinsichtlich der eingeschränkten wirtschaftlichen Nutzung von Wäldern und Landschaftsflächen nicht bewahrheitet. Bislang ist ein vernünftiger Ausgleich zwischen wirtschaftlicher, touristischer und naturschutzfachlicher Entwicklung (nach dem Prinzip „Natur Natur sein lassen“) gefunden worden.

Im Hinblick auf die touristische und wirtschaftliche Entwicklung der Nationalparkregion sind erste Erfolge zu verzeichnen: Über Veranstaltungen zur Umweltbildung und zum Naturschutz wurden neue touristische Potentiale erschlossen. Förderungen über Landesprogramme zur ländlichen Entwicklung (LEADER) haben innovative Projekte ermöglicht und etliche Entwicklungsprozesse in den Dörfern angestoßen.

Die Schwerpunktförderung in der Wasserwirtschaft und der Trinkwasserversorgung haben hohe Investitionen ausgelöst. Die Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung regionaler Produkte hat sich dynamisch fortgesetzt.

Das Nationalparkprojekt darf aber aus Sicht der SPD in seinen Zielen und Ansätzen nicht statisch bleiben. Es muss sich vielmehr an die Bedingungen vor Ort anpassen und den tatsächlichen Interessen der Menschen in der Region größtmöglichen Nutzen bringen. Dies bedingt eine kontinuierliche Überprüfung der gesetzten Ziele und des Grades ihrer Erreichung. Einseitige ideologische Festlegung (auch solche, die den Naturschutz eine alles überragende Bedeutung zuweisen) führen nicht zu diesem Ziel. Der Nationalpark ist in erster Linie ein Entwicklungsprojekt für die Menschen in der Region und muss ihnen dienen.

Mit dieser Zielsetzung setzt sich die SPD im Kreis Birkenfeld für eine zielgerichtete Weiterentwicklung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald ein. Sie fordert insbesondere:

  • eine klarere touristische Ausrichtung des Projekts, die vorhandene Stärken der Region (Edelsteine, Gastronomie, regionale Messen und Kultureinrichtungen) mit den Zielsetzungen des Nationalparks zusammenfasst;
  • eine stärkere Berücksichtigung der Nationalpark- und Edelstein-Region in die zentrale Tourismuswerbung des Landes Rheinland-Pfalz;
  • eine eigenständige Tourismuswerbung für die Nationalpark-Region, die in Kooperation mit anderen Gebietskörperschaften an der Nahe das Naheland gemeinsam bewerben kann, aber selbständig Schwerpunkte setzt;
  • eine spezielle Tourismuswerbung für die Nationalpark- und Edelstein-Region im Rahmen der internationalen Vermarktung des Flughafens Hahn, insbesondere für chinesische Touristen;
  • eine Verbesserung des Zugangs von Besucherinnen und Besuchern zum Nationalpark, insbesondere durch einen Ausbau und eine Qualitätssteigerung im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV);
  • die Unterstützung des Projekts „Bikeregion Hunsrück-Hochwald“ am ldarkopf durch das Land Rheinland-Pfalz, um insbesondere jüngere und radbegeisterte Touristen in den Nationalpark zu bringen;
  • eine verstärkte Unterstützung von Kulturinitiativen, Künstlern, Museen und Vereinen, um die Geschichte und Kultur der Region den Nationalparkbesucherinnen und­ besuchern attraktiv zugänglich zu machen;
  • auf Landesebene die Schaffung einer klaren und effizienten Verwaltungsstruktur für den Nationalpark, die der Tatsache Rechnung trägt, dass es sich um ein Projekt handelt, das erheblich über reinen Natur- und Umweltschutz hinaus geht; in diesem Zusammenhang führt die SPD auch eine stärker länderübergreifende Projektkoordination mit dem Saarland;
  • eine effiziente organisatorische Zusammenarbeit der kommunalen Verantwortlichen der Region, um gemeinsames Handeln- jenseits der Ziele Einzelner- sicherzustellen; mit der Gründung eines Regionalentwicklungsvereins, in dem alle relevanten Kommunen vertreten sind, ist dazu ein erster wichtiger Schritt getan;
  • eine gezielte Wirtschaftsförderung zur Erhaltung und Neuansiedlung kleiner und mittlerer Betriebe und von Handwerksunternehmen in der Region;
  • den Ausbau der Landesstraße L 190 als zentrale Erschließung des Nationalparkkreises Birkenfeld aus und in Richtung des Flughafens Hahn;
  • eine noch stärkere Kooperation des Nationalparks mit dem Umweltcampus Birkenfeld (UCB) und den dortigen wissenschaftlichen Kompetenzen mit dem Ziel, einerseits Wissenschaftlern der Hochschule konkrete Ansatzpunkte für Forschungen zu geben, andererseits den Nutzen und die Einbindung des UCB für die Unternehmen und die Menschen in der Region zu erhöhen;
  • den Ausbau des Nationalparkamtes am Umweltcampus als zentralen Ort für Information und Austausch zum Nationalpark Hunsrück-Hochwald, und darüber hinaus aller Nationalparke in Deutschland;
  • ein Zusammenwirken von Natur- und Landwirtschaftspolitik in der Region, um einerseits die landwirtschaftlichen Betriebe um den Nationalpark zu erhalten und zu fördern und andererseits den gewachsenen Landschaftscharakter zu erhalten und zu stärken; zugleich auch eine vertiefte Einbindung der Land- und Forstwirtschaft in die Diskussionen und Gremien zur Weiterentwicklung des Nationalparks;
  • eine Schwerpunktbildung für die Nationalparkregion im Rahmen der Breitbandstrategie des Landes, vor allem zum Nutzen touristischer und gewerblicher Betriebe;
  • eine wichtige Rolle des Nationalparkkreises Birkenfeld im Rahmen der Demographie­ Strategie des Landes zur Berücksichtigung der drohenden Abwanderung von Menschen aus der Region;
  • einen barrierefreien Ausbau des Nationalparks, insbesondere im Bereich der Gastronomie und der Hotellerie in Zusammenarbeit mit dem Landesbehindertenbeauftragten sowie den Einsatz von Niederflurbussen;
  • eine planbare und verlässliche Finanzierungszusage des Landes für den Nationalpark für die gesamte Dauer der laufenden Legislaturperiode;
  • eine beratende Unterstützung des Landes beim Aufbau einer (Bürger) Stiftung zur Sicherung der langfristigen Finanzierungsgrundlagen des Nationalparks;
  • einen regelmäßigen zweijährigen Bericht der Landesregierung in der Region über laufende Maßnahmen und erzielte Fortschritte bei der Weiterentwicklung des Nationalparks.

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2 Kommentar(e) in: 
„Nationalpark Hunsrück-Hochwald“
  • Heike Sicks schreibt:

    Sehr geehrter Herr Weingarten,
    lange vor der Eröffnung unseres Nationalparks erkannten wir die Schönheit und Einzigartigkeit unserer Umgebung um unseren Wohnort Börfink und begannen ab dem Jahr 2000 über 16 Jahre hinweg mit der sehr erfolgreichen Vermietung zweier Ferienhäuser in Börfink ( durchschnittliche Auslastung: 230-280 Tage im Jahr vermietet, d.h. bis über 9 Monate jährlich belegt ).
    Die Kritikpunkte unserer Gäste waren neben dem
    – schlechtem bis nicht vorhandenem Mobilfunkempfang:
    – zu wenig ganzjährig geöffnete Gastronomie ohne lange Autofahrten und/oder direkt an wichtigen Wanderrouten
    – die mittlerweile sehr heruntergekommene, trostlose Innenstadt von Idar-Oberstein, mit dem wir kaum als “ Edelsteinmetropole “ Werbung machen können.
    Was will die SPD hier unternehmen, um
    – Idar-Obersteins Innenstadt wieder attraktiver zu machen und
    – mehr Anreize für Gastronomen zu schaffen und wie soll dem Phänomen begegnet werden, dass zwar viele Besucher kommen, diese jedoch nur als Tagesgäste mit Rucksackverpflegung ?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Heike und Herbert Sicks, Börfink

    • Joe Weingarten schreibt:

      Sehr geehret Familie Sicks, vielen Dank für Ihre Nachricht.

      Ich bin mir der schwierigen Mobilfunksituation in Börfink bewusst und habe mir die Lage in der letzten Woche auch vor Ort angesehen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass hier eine Besserung eintritt, gerade auch vor dem Hintergrund ortsfremder Touristen und möglicher Notfallsituationen, bei denen die Rettungskräfte schnell alarmiert werden müssen.

      Die Innenstadt von Idar-Oberstein kann nur in einem gemeinsamen Handeln von Stadtpolitik, Immobilienbesitzern, Händlern und Gastronomen verbessert werden. Wir müssen die Innenstadt gemeinsam interessant und besuchenswert machen, nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zur Unterhaltung, Erholung und als Ort für Dienstleistungen und Service.

      Hinsichtlich der Gastronomie im und um den Nationalpark bin ich im Gespräch mit dem Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), um ein Konzept zu erarbeiten, wie wir die Betriebe dabei unterstützen können, um erweiterte Öffnungszeiten, vor allem über die Mittagszeit, zu ermöglichen. Denn ohne ein gutes gastronomisches Angebot wird es schwierig, weitere Touristen in den Nationalpark zu führen.

      Joe Weingarten