Innovative Wirtschaftspolitik für die Nahe-Region – Leitlinien

Innovative Wirtschaftspolitik für die Nahe-Region – Leitlinien

Erfolgreiche Unternehmen –
lebenswerte Orte

Die Situation im Arbeitsmarktbezirk Bad Kreuznach ist insgesamt besser geworden, aber noch nicht befriedigend. Notwendig sind weitere Maßnahmen gegen die (Langzeit-)Arbeitslosigkeit, vor allem in der Qualifizierung und Fortbildung von Arbeitssuchenden. Wo das nicht reicht, muss eine öffentlich geförderte Beschäftigung auf kommunaler Ebene mit Mitteln des Bundes aufgebaut werden. Mein Hauptaugenmerk liegt aber darin, Unternehmen bei der Schaffung und Erhaltung von wettbewerbsfähigen Arbeitsplätzen zu unterstützen.

Unser Ziel die Erhaltung lebenswerter Dörfer, um der Zentralisierung entgegen zu wirken: Das hat unmittelbar mit Wirtschaftspolitik zu tun. Denn zu den Zukunftspersptiven unserer ortschaften gehört vorrangig, die Digitalisierung zu fördern und den Breitbandausbau zu unterstützen. Dazu gehört auch, Voraussetzungen für die Elektromobilität im ländlichen Raum zu schaffen und neue Formen des Wohnens zu fördern: altersgerecht, über Generationen hinweg.

Rhein-Main und Flughafen Hahn

Kernpunkt einer wirtschaftspolitischen Strategie für die untere Nahe ist die Stärkung der Stadt Bad Kreuznach als wirtschaftliches Zentrum der Region und wichtiges Scharnier zum Rhein-Main Raum. 27.000 Arbeitsplätze und eine Vielzahl von Einpendlern belegen schon heute die gute Qualität des Produkstions- und Logistik-Standortes.

Eine Zukunftsentwicklung ist klar erkennbar: wir brauchen eine gute Verkehrsanbindung der Region an den Hahn. Das gilt vor allem für den Kreis Birkenfeld. Der Nahe-Raum und der Hunsrück können mit dem Flughafen Hahn zu einer starken Wachstumsinsel mitten in Rheinland-Pfalz werden.

Wissenschaft, Forschung und Innovation als Motor

Entwicklungschancen für viele mittelständische Unternehmen liegen in einer stärkeren Kooperation der Unternehmen der Region mit Wissenschaft und Forschung. Dafür bieten sich die Hochschulen in Bingen und Birkenfeld in besonderer Weise an. Wichtig ist aber auch der Aufbau eigener wissenschaftlicher Kompetenzen im Bereich Gesundheit: Bad Kreuznach hat gute Voraussetzungen, um ein Kompetenzzentrum für vorausschauende Gesundheitspolitik und betriebliches Gesundheitsmanagement zu werden.

Wir brauchen eine regionale Wirtschaftspolitik, die für die demographisch und strukturell besser gestellten Teile der Region, vor allem die Stadt Bad Kreuznach, Strategien formuliert, um als Teil erfolgreicher, länderübergreifender Wachstumsregionen Produktion, aber auch Forschung und Entwicklung, anzuziehen.

Dies ergänzt um eine Industriestrategie, die für die Felder, in denen für die Industrie an der Nahe langfristig die größten Chancen liegen (vor allem in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Pharmazie und Chemie, Leichtbau/Oberflächentechnik, Medizintechnik/Gesundheitswirtschaft, Energieeffizienz und –speicherung), die umfassende Vernetzung von Wissenschaft, Forschung und Bildung mit auf den Weltmärkten agierenden Unternehmen genauso umfasst, wie lokal agierende Netzwerke mittelständischer Unternehmen.

Dies wiederum unterstützt durch eine Standortwebestrategie, die sich an den wichtigsten Zielmärkten der Industrie unserer Region orientiert und dort durch gezielte Präsenz auf Messen und Veranstaltungen und individuelle Hilfen für Unternehmen unterstützt.

Für die Region angemessen wäre auch die Entwicklung eines Netzwerks Maschinenbau und Produktionstechnik mit innovativen kleinen und mittelständischen Unternehmen des Maschinenbaus und der Produktionstechnik als Zielgruppe. Ziel sollte sein, den Leitmarkt des Maschinen- und Anlagenbaus in der Region auszubauen.

Digitalisierung und Industrie 4.0

Industrie 4.0, die Verbindung von Datentechnik und Produktionstechnik mit den Ziel einer hoch spezialisierten (Kleinserien-) Produktion ist für die deutsche Industrie insgesamt, auch in unserer Region, eine große Chance. Das große Hindernis für potentielle Anwender ist eine mangelnde Sichtbarkeit des Nutzens der Industrie 4.0-Konzepte. Dies betrifft speziell die große Zahl von kleinen und mittleren Unternehmen aus dem Maschinenbau und der Zulieferindustrie. Sie haben größenbedingte Nachteile, wenn es darum geht, innovative vernetzte Produktionssysteme einzuführen. Hinzu kommt, dass einige Unternehmen Industrie 4.0 noch nicht als reale Chance wahrnehmen und sie Risiken etwa in Bezug auf Datensicherheit im Vordergrund sehen. Es besteht damit die Gefahr, dass kleine und mittlere Unternehmen von der Entwicklung hin zu vernetzten Produktion der Zukunft abgekoppelt werden. Die systematische Erschließung von Geschäftsmodellen steht noch bei zu wenigen Unternehmen im Fokus ihrer strategischen Planungen.

Deshalb sollte es eine konkrete Zielsetzung für eine Digitalisierung der Wirtschaft der Nahe-Region sein, die vorhandene Kompetenzen aufzunehmen und sie vor allem der mittelständischen Wirtschaft zugänglich zu machen und mit den Bemühungen zum Breitbandausbau zusammen zu fassen.

Ein einfacherer Zugang v.a. für kleinere und mittlere Unternehmen zur Anwendungserprobung, der Aufbau mittelständischer Kompetenzen im Bereich Smart Energy (intelligente Geräte, Zähler etc.); die Förderung der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes durch Innovation bei Energieeffizienz und intelligenter Mobilität. Sichtbar gemacht z.B. durch ein Modellprojekt „Elektromobilität rund um den Nationalpark Hunsrück/Hochwald“.

Und schließlich die Durchführung einer IT-Sicherheitskampagne für kleine und mittlere Unternehmen in unserer Region.

Rohstoffabbau

Wir brauchen eine regionale Rohstoff- und Ressourcenstrategie, die die Bedürfnisse der mittelständischen Rohstoffunternehmen mit den Zielen der Kreislaufwirtschaft und den Interessen derjenigen Bürger/innen, die an oder in Abbaugebieten leben, in Einklang bringt.

Perspektiven für Landwirtschaft und Weinbau

Landwirtschaft und Weinbau unterliegenden einem vergleichbaren Strukturwandel wie viele Industriebranchen. Die Betriebe brauchen eine vernünftige Finanzausstattung, zu der im landwirtschaftlichen Bereich aus meiner Sicht auch die Fortführung von Direktzahlungen zum Ausgleich bestehender Nachteile der Flächenbewirtschaftung in unserer Mittelgebirgsregion gehört.

Digitalisierung und Modernisierungen der Produktionsmaschinen können in Landwirtschaft und Weinbau große Beiträge zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und der Betriebsergebnisse der unternehmen erzielen. Die Betriebe müssen bei der Einführung solcher moderner Technik unterstützt werden.

Im Weinbau kommt die Unterstützung der Betriebe bei einer Qualitätsausrichtung der Produktion hinzu: Direktvermarktung und Qualitätssteigerung sichern neue Marktchancen.

Unternehmensgründung und -finanzierung

Im Zentrum der innovationsorientierten Wirtschaftspolitik der Nahe-Region sollte eine Technologiepolitik stehen, die die spezifischen Stärken der Wirtschaft aufnimmt und konkret unterstützt. Dazu gehören: Der Aufbau eines regionalen Gründungsnetzwerkes, das die bislang unzureichend koordinierten Gründungsaktivitäten zusammen fasst. Und der Aufbau eines zentralen Gründerportals für den Wirtschaftsraum Rhein-Nahe-Hunsrück. Ziel sollte auch der Aufbau von „Gründungs- und Technologiezentren in Bad Kreuznach und Birkenfeld – dort am Umweltcampus – sein.

Ein Konzept zur Unterstützung von Unternehmensgründungen in der Nahe-Region, das konzeptionelle Hilfen für potentielle und aktiver Gründer/innen genauso umfasst, wie zielgerichtete finanzielle Hilfen in der ersten Phase der Neugründung (oder Übernahme), ist ebenfalls notwendig: Auch an der Nahe haben neue Unternehmen einen steigenden Bedarf an Venture Capital oder Mikrokrediten.

Eine Strategie zur Diversifizierung der Unternehmensfinanzierung, die neben der bestehenden klassischen Bankenfinanzierung auch neue Finanzierungsformen wie Crowdfunding aufnimmt und in konkrete Strukturen für rheinland-pfälzische Unternehmen bringt, unterstützt das.

Zunehmend wichtiger wird auch die Unterstützung für neue (und auch bestehende) Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft (v.a. Design, Mode, Architektur, Verlage, Film). Dort müssen insbesondere die dort bestehenden Finanzierungsprobleme in der Start-up Phase angegangen werden.

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